Fiesta in Frankenwinheim 2016

Das Hoffest hat bereits Tradition bei uns, aber dieses Jahr war anders als die Male davor. Waren es vorher eher rassetypische Wettbewerbe zwischen meinen Reitschülern, kombiniert mit einer Vorführung, sollte es dieses Jahr mit der “Fiesta Caballo con el Paso Finos” eine reine Präsentation der Vielseitigkeit unserer tollen Rasse sein.

Ich wollte ein möglichst abwechslungsreiches Programm zusammenstellen, gewissermaßen einen Querschnitt aus verschiedenen Bereichen der„Arbeit“ mit unseren Pferden. Ein traditioneller Teil darf auf gar keinen Fall fehlen, denn das ist das, was die Besonderheit einer Rasse ausmacht. Ursprünglich geplant war eine Rassepräsentation mit mehreren, ganz unterschiedlichen Typen. Wir dachten, breit aufgestellt zu sein mit Baika, Bandolera, Carino, Paloma, Pianola und Sinaida. Neu entdeckt hatte ich seit dem Kurs mit Michael Gascon das „Fußball spielen“, und so lag es nahe, ebenfalls einen „Soccer Cup“ anzusetzen. Auch hier gingen wir davon aus, 2 Begegnungen – also 4 Teams – abhalten zu können.

Die anderen beiden Programmpunkte entstanden eher zufällig. Ursula, die Eigentümerin von Pianola, hatte einen Schirm vergessen, bei dessen Anblick mir sofort„Mary Poppins“ in den Kopf schoss (obwohl ich den Film nie gesehen hatte!). Als ich Usula davon erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme – sie ist ein„Goth“ und aktiv in der Mittelalterszene und hat aus- reichend Kleider und Accessoires z. B. aus dem Viktorianischen Zeitalter. Wir entwickelten also zusammen nach und nach die Idee zum Show- Act„Mary Poppins“. Dazu muss man vielleicht erwähnen, dass für uns beide das erste Mal war, dass wir so etwas machten. Ich habe vorher noch nicht einmal eine Quadrille je gesehen, geritten geschweige denn entworfen. Gar nicht so einfach! Die ursprüngliche vierbeinige Besetzung waren Pianola und Carino.

Die letzte Vorführung sollte eine mit Halsring gerittene Dressuraufgabe sein. Ursprünglich schwebte mir die Dressur B der PFAE-PO vor, die ich zuvor mit Carino für die Hengstleistungsprüfung geübt hatte. Abgerundet werden sollte das Programm mit einer Präsentation der aktuellen Verkaufspferde. Später kam dann noch Daniela Wolf mit ihrem pferdegestützten Coaching dazu, aber das ergab sich erst im Laufe der weiteren Ereignisse. Somit stand das Programm – zumindest in groben Zügen – und wir fingen an, die Werbetrommel zu rühren. So stand ein Foto- Shooting mit Pia von Gessner Entertainment auf dem Programm, die dann auch Flyer und Plakate erstellte, die wir großzügig verteilten. Klotzen statt Kleckern war das Motto!

Aber wie das so ist im Leben, es kommt immer anders als man denkt. Zum Auftakt einer ganzen Reihe unvorhergesehener Ereignisse brach Paloma sich das Griffelbein. Mir lief ein Traum-Objekt im Internet über den Weg und wir unternahmen erste Anstrengungen, uns umzuorientieren, was eine kleine Kettenreaktion auslöste. Ursula beschloss nach einigem Hin und Her, Pianola in einen anderen Stall am Ort zu stellen. Aus verschiedenen Gründen war das nur genau eine Woche vor der Fiesta möglich. Damit war klar, dass Pianola für die Fiesta ebenfalls ausfällt. Also schnell umdisponiert – sie reitet Carino, ich Baika. Ganze 3 Mal haben wir es geschafft, vor dem großen Auftritt in dieser Konstellation zu proben. Auch mussten wir die Choreografie mehrmals abändern, zuletzt als das von der PFAE ausgeliehene Board eine Woche vor der Veranstaltung endlich lag und wir feststellten, dass es dauernd im Weg ist. Es ist wirklich schwer und die ursprüngliche Idee, es zwischendurch wieder abzubauen, wurde ganz schnell verworfen. Der Abbau ohne die zum Grillen abkommandierten Männer wäre zu langwierig gewesen. Wir machten aus der Not eine Tugend, bauten das Board in die Choreo mit ein und hofften, dass 3 Mal üben ausreichen und alles glatt gehen würde.

Für meine Halsring-Dressur hatte ich in dem Trubel keinen Nerv und beschloss dann kurz vorher, dass ich auf eine feste Abfolge verzichte, lieber ein schönes Lied aussuche und einfach frei Schnauze nach Gefühl reite. Um Sinaida und mich in der neuen und ungewohnten Situation aufeinander „einzustellen“ habe ich davor eine kleine Liberty-Einheit vom Boden aus eingebaut. Was eigentlich mehr aus der Not geboren war, erwies sich hinterher als eine der Haupt-Attraktionen!

Um die Sache vorher noch spannender zu machen, fingen erst Baika, dann Sinaida an zu lahmen. Nach dem Ausfall von Palmi und noch Pianola fürchtete ich schon, die Fiesta aus Mangel an vierbeinigen Protagonisten absagen zu müssen. Als dann noch nach wochenlanger Hitze und Trockenheit das Wetter kurz vorher umschlug und der Wetterbericht für den Tag der Fiesta eine katastrophale Prognose traf, war ich eigentlich so weit, alles abzusagen. Hätten wir nicht im Vorfeld einen solchen Aufwand betrieben, hätte ich es vermutlich wirklich gemacht. Aber – Show must go on! Und wir hatten schlussendlich großes Glück. Das Wetter hielt, entgegen aller Vorhersagen. Die Pferde waren soweit fit, wir mussten „nur“ auf Palmi, Pianola und in letzter Minute noch Bandolera verzichten, die sich leider beim Abreiten verletzte. Das etwas abgespeckte Programm – in der Rassepräsentation nunmehr nur noch 3 Pferde, beim Fußball spielen nur noch eine Begegnung zwischen 2 Mannschaften – konnte komplett im Trockenen stattfinden! Kaum war die letzte Vorführung beendet, fing es an zu regnen. Dadurch kam das anschließende gemütliche Beisammensein leider sehr kurz. Aber immerhin – es hätte wirklich schlimmer kommen können!

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In der Rassepräsentation gaben Carino mit seiner Reitbeteiligung Christina, Sinaida mit Leonie und Baika mit Rosa (die Baika nor- malerweise nicht reitet) ein sehr schönes Bild ab und die Aufregung aller Beteiligten war von den Zuschauern kaum zu spüren. Das anschließende Fußball-Spiel machte richtig Laune und die mittlerweile sogar recht zahlreich anwesenden Zuschauer gingen voll mit. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem Show-Act. Mittlerweile hatten sich die Reihen ordentlich gefüllt – ich war überrascht wie viele Menschen sich doch noch eingefunden hatten. Wir kämpften ein bisschen mit der Technik, das Lied war zu leise und am Ende mussten wir uns behelfen und das Lied vom Handy abspielen, das an das Mikrofon gehalten wurde. Die dadurch verursachten Störgeräusche gefielen Carino gar nicht, aber Ursula war ganz Pokerface und die Vorstellung den Umständen entsprechend optimal gelaufen. Ich glaube, es hat allen gefallen, zumindest gab es ordentlich Applaus für uns.

Und dann kam mein großer Moment und ganz ehrlich, mir war mehr als mulmig zumute. Aber schon bei der Freiarbeit vom Boden war klar, alles wird gut. Sinaida war ganz bei mir, wir agierten wie mit einem unsichtbaren Faden verbunden und mein mulmiges Gefühl wich mehr und mehr einem Hochgefühl. Als ich dann in den Sattel stieg und die eigens ausgewählte Musik startete, fiel alle Anspannung ab und in dieser merkwürdigen, aber sehr wohligen Stimmung aus Erleichterung, Hochgefühl und gleichzeitig Erschöpfung vergaß ich natürlich einiges, was ich zeigen wollte. Auch das Timing war nicht ganz stimmig, ich konnte gar nicht genug kriegen und war noch voll in meinem Element als die Musik ausging. Aber das konnte meiner Begeisterung keinen Abbruch tun und ich konnte auch von den Zuschauern förmlich spüren wie beeindruckt sie waren. Sogar ein Pressevertreter war vor Ort und der anschließende Artikel einschließlich Bildstrecke online fiel größer aus als erhofft. Den Umständen entsprechend ein voller Erfolg!

Bericht von Katja Spies, Fotos von Gessner Entertainment und Manuela Klein