Paso Fino vs. Reitpony – ein Vergleich auf 105 Kilometern

Begonnen hat unser Abenteuer mit einer fixen Idee – lass uns mal nach Erfurt reiten. Etwas planlos und „auf den letzten Drücker“ organisiert, starteten wir bei wunderschönem Sonnenschein am Morgen. Die Ponys waren super drauf – Sierra del Sol, die gelassene braune Paso Fino Stute und Tabaluga, der charmante Reitponywallach – wussten ja auch nicht, was vor ihnen lag.

Doch dass etwas anders war, bemerkten sie spätestens als wir aufstiegen. Zehn Kilo Übergepäck und leichte Gleichgewichtsstörungen machten sich bereits nach den ersten Metern bemerkbar. Mit Rucksack reiten hätten wir vielleicht vorher üben sollen. Bereits beim ersten Tempowechsel hatte Sierra einen deutlichen Vorteil, denn Tabaluga kämpfte deutlich mit dem schwankenden, sich durch- schüttelnden Rucksack. Ganz abgesehen von unserem Komfort. 1 zu 0 für den Fino.

Für die erste Etappe standen 40 Kilometer an – bergauf und bergab. Im Langstrecken- Schritt-Vergleich stand es wieder 1:1, da Tabaluga mit langen Beinen deutlich schneller Meter machte. Nach Stunden im Sattel merkten wir jeden Knochen und waren so froh gegen 18 Uhr unser Etappenziel erreicht zu haben. Beide Ponys waren glücklich sich wälzen zu dürfen und wir freuten uns über eine Dusche. Am nächsten Morgen ging es nach einem leckeren Frühstück gleich weiter. Die Rucksäcke hatten wir anders gepackt und, siehe da, schon wackelte nichts mehr. Gleich zu Beginn ging es quer durch den Wald einen steilen Hang hinauf. 2:2 da beide Ponys super trittsicher und kraftvoll auch diese Aufgabe bewältigten.

Wanderritt Fino vs ReitponyWanderritt Eis1Wanderritt Eis2Wanderritt Denkmalwanderritt spass1wanderritt spass2

Für diesen Tag standen 33 Kilometer auf dem Programm und unser großes Ziel: ein Foto am Theater mit Goethe und Schiller in Weimar. Hier konnte definitiv Sierra einen Punkt sam- meln, da Tölt mitten durch die Fußgängerzone einfach cool ist. Tabaluga ließ sich übrigens gar nicht stören oder aus dem Takt bringen. Noch schnell ein Eis geschleckt und schon ging es weiter zur zweiten Unterkunft. Super brav meisterten beide den Ritt quer durch die Stadt. Ob Müllabfuhr oder warten an der roten Ampel – beide punkteten mit Nervenstärke – 4:3.

Glücklich und erschöpft erreichten wir den Reiterhof. Die Ponys hatten eine große Box mit Paddock, waren aber mehr glücklich über frisches Gras und Heu. Beide waren am nächsten Morgen ausgeruht und motiviert, die letzten 32 Kilometer zu bewältigen. Ab Weimar ging es relativ flott vorwärts. Beim letzten Etappenziel stand auf dem Plan: Zwei ICE-Strecken und eine Autobahn zu über- queren. Auch das meisterten die beiden super gut, wenn da nicht gleichzeitig noch Erntezeit gewesen wäre und ein Traktor den nächsten jagte. 5:3 für Sierra’s Nervenstärke.

Es ging durch Orte, über Wiesen und Felder und über eine Metallbrücke. Leider kann man einen solchen Ritt nicht ohne Beschlag absolvieren, also hieß es für die Ponys mit Beschlag über die Brücke. Hier hatte Tabaluga eindeutig die besseren Karten, da er einen kunststoffbeschlag hat. Ruckzuck, drüber war er. Sierra wollte sofort hinterher, doch so schnell der erste Huf das Metall berührt hatte, war er auch wieder unten. Und nun? Das erste Mal musste die Reiterin, nicht ganz freiwillig, den bequemen Sattel verlassen und siehe da im Tölt ging es sehr flink hinüber. Das klang vielleicht genial. Aber es stand nun 5:4.

Nun waren die letzten Kilometer auf der tollen App, die uns beim Navigieren geholfen hat. Zwei Kilometer vor der Grammemühle, in der Tabaluga seit 2 Jahren lebt, noch ein Wettrennen zum krönenden Abschluss. Man konnte es ahnen, das Reitpony gewann mit ein paar Pferdelängen Abstand – Heimvorteil würde ich sagen. 5:5 Endstand und am Ziel.

105 Kilometer, 1800 Höhenmeter und über 20 Stunden im Sattel. Es war wundervoll, das denkt man sich vor allem daheim im kuschligen Bett. Und jetzt haben wir uns vorgenommen, jedes Jahr eine solche Tour zu starten. Wer gute Reiseziele für uns hat, immer her damit.

Bericht von Franziska und Sabrina Michel