Die Gangart Trocha und der Trochador

Im Wörterbuch findet man unter “Trocha” unter anderem folgende Erklärung: “Ein Pfad durch die Wildnis...” Anhand dieser Definition könnte man “Trocha” als die Gangart bezeichnen, die viele unserer Pferde in unwegsamen Gelände gehen. Sie ermöglicht es den Pferden kräfteschonend von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Trocha ist eine traditionelle Gangart, die hierzulande als Trabtölt bezeichnet wird; ein Pferd im Trocha hört sich an wie “tras...tras...tras...tras...” und ist für das Ohr gut wahrnehmbar.
Es ist nicht bekannt, wann der Trocha genau entstanden ist. Aber es ist erwiesen, dass viele der spanischen Konquistadoren Trocha und/oder Tölt gehende Pferde bei der Kolonisation der rauhen Gegenden in Antioquia, Caldas, Santander und Cundinamarca in Kolumbien einsetzen.

Wenn wir über den Trocha sprechen, sollten wir uns immer an vergangene Zeiten erinnern, in denen das Pferd gleichzeitig Transport- und Fortbewegungsmittel bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben war. Die Trochadores gingen den äußerst komfortablen Trocha, der auf langen Ritten im Wechsel mit dem Tölt geritten wurde, um dem Reiter durch die verschiedenen Gangarten ein wenig Erholung im Sattel zu gönnen. Heute gilt der Trocha als “spezielle Gangart”. Trocha-Pferde werden gerne auf Turnieren und Schauveranstaltungen besonders in Kolumbien gezeigt, um dem Publikum die Bandbreite und Vielseitigkeit der kolumbianischen Pferde zu demonstrieren.

Der Trocha hat eine ganze Reihe von berühmten Literaten wie z.B. Thomas Rueda Vargas oder Jose Manuel Marroquin inspiriert, in der Freude an dieser Gangart und ihrer Leichtigkeit und Eleganz zu schwelgen. Der berühmte Kritiker, Dichter und Kolumnist, Jose Maria Vergara y Vergara, war der Verfasser eines Schreibens an seinen Hengst, elegant und auf den Punkt gebracht, schrieb er: “Wenn Du einen weichen Trocha hast, dann bist Du ein gutes Pferd für die Reise; wenn Du willig im Trocha gehst, weich im Maul, trittsicher und wunderschön bist, dann kann ich für Dich nicht mehr tun, als das, was ich mit meinem Herzen getan habe: Ich habe es meiner Frau geschenkt.”

Drehen wir nochmals die Zeit zurück und werfen einen Blick auf die ländlichen Schauen, die die Vorgänger der großen Veranstaltungen in den Städten waren. Diese ländlichen Inszenierungen waren populär und stets gut besucht; alle Bauern der Gegend kamen dort zusammen, um Vieh, Pferde oder Mulis, ohne die die tägliche Arbeit nicht bewältigt werden konnte, zu kaufen oder zu verkaufen. Auf diesen Schauen und Ausstellungen gab es keine Ställe oder Reitplätze. Alles spielte sich auf dem zentralen Marktplatz ab und jeder kam dorthin. Die Richter wurden vom Bürgermeister des Ortes und den Veranstaltern benannt. Als Richter fungierten namhafte Grundbesitzer aus der Gegend, die sich in der Pferdezucht auskannten. Die Richtkritierien waren eher subjektiv und basierten auf den Kenntnissen, der Erfahrung und den Vorstellungen darüber, wie ein gutes Pferd sein sollte. Es wurde jeweils der “beste Hengst” und die “beste Stute” gekürt, ganz gleich ob das Pferd Tölt oder Trocha ging.

In den großen Städten wurden die Schauveranstaltungen später dann in großem Stil organisiert, wie z.B. die Centennial Show of Bogota, auf der Pferde wie “El Rey”, im Besitz von Aureliano Marino, geritten von dem großartigen Elias Paez; und “Sarraceno” im Besitz von Eduardo Garnizo zu sehen waren. Auf anderen Veranstaltungen brillierten “Mahoma” im Besitz von Roberto Bermudez, “Marino” im Besitz von Jose Jaramillo aus Quindio, und “Cometa” im Besitz von Fidel Ochoa aus Antioquia. Alle drei Pferde waren sowohl im Tölt als auch im Trocha herausragend.

Dieser kleine Exkurs in die Geschichte sollte Ihnen zeigen, dass der ‘Trocha” schon immer eine bedeutende Rolle in der Entwicklung unserer Pferde gespielt hat. Es wurden keine großen Unterschiede zwischen den beiden Gangarten Trocha und Tölt gemacht, da die Pferde als Arbeitspferde genutzt wurden oder zum Vergnügen der Grundbesitzer und anderer Leuten da waren, die das Privileg hatten ein Pferd mit Brio und weichen Gängen zu besitzen, ganz gleich, ob das Pferd nun ein Tölter oder ein Trochador war.

von Jaime Mejia Escobar, übersetzt aus dem Englischen von Sandra Hofstetter